Gloria K. ist 34 Jahre alt und von Beruf Kunsthistorikerin. Sie wohnt mittlerweile in Weil am Rhein, in einer 105 qm großen Wohnung, ist verheiratet und erwartet gerade ihr erstes Kind. In unserem Interview spricht sie ausführlich über die Wohnungsproblematik an der Schweizer Grenze, teure Mietpreise und wie schwierig sich die Wohnungssuche mit einem Hund gestaltet hat.  

 

Liebe Gloria, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen! Warum habt ihr eine neue Wohnung gesucht? 

Bevor wird in unsere jetzige Wohnung ziehen konnten, hatten wir eigentlich eine schöne und auch bezahlbare Wohnung. Diese war 80 qm groß, kostete 650 € warm und das bei einer zentralen Lage. Allerdings gab es hier immer wieder Probleme mit den anderen Mietern und auch dem Vermieter wegen unserem Haustier. Unser Hund wurde in der Wohnung nicht akzeptiert und den vielen Rentnern im Haus waren wir oft zu laut. Deswegen stand auch öfters die Polizei vor unserer Haustür, die wegen vermeintlicher Ruhestörung gerufen worden war. Das wurde mit der Zeit echt lästig, denn wir waren eigentlich immer recht ruhig! Daher wollten wir so schnell wie möglich raus aus dieser Wohnung, noch vor der Geburt unseres Babys.  

Da hast du ja einiges durchgemacht! Was waren die größten Probleme auf die du bei der Wohnungssuche gestoßen bist? 

Das größte Problem war der überteuerte Mietpreis in der Stadt und dem Umland. Wir haben zahllose Wohnungen besichtigt, aber teilweise empfanden wird die verlangte Miete überhaupt nicht als gerechtfertigt. Wir wollten eine Wohnung mit drei Zimmern, Garage bzw. Stellplatz, einer Einbauküche und einem Keller. Natürlich sollte auch unser Hund erlaubt sein. Allerdings gab es kaum eine Wohnung unter 1.400 € warm, die diese Kriterien erfüllte. Wenn wir dann eine passende Wohnung gefunden hatten, war sie natürlich auch schon weg. Schlussendlich kamen wir nur durch ein paar familiäre Beziehungen und viel Glück an unsere jetzige Wohnung. Sie liegt zwar etwas über unserem Budget, ist aber genauso, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Ich bin der Meinung, dass wir ohne unsere Beziehungen so schnell nichts Passendes gefunden hätten. Neben dem Preis war hier das größte Hindernis, dass in kaum einem Mietobjekt Haustiere erlaubt waren. Auf unseren liebgewonnenen Hund wollten wir aber auf keinen Fall verzichten! 

Gab es irgendwelche unerfreulichen Erlebnisse bei dieser doch langwierigen Wohnungssuche? 

Einmal wollten wir einen noch unfertigen Neubau besichtigen und machten einen Termin mit einem Makler aus. Als wir zum abgemachten Termin dort waren, war jedoch kein Makler zu finden. Offensichtlich hatte er unseren Termin vergessen! Nach einer halben Stunde wartend im Regen konnten wir ihn endlich erreichen. Er sagte aber nur, wir sollten die Bauarbeiter bitten, uns in die Wohnung zu lassen. Das stellte sich aber auch als schwierig heraus, denn die Arbeiter sprachen kaum Deutsch. Eine richtige Frechheit war das! 

Wie schätzt du die Mietsituation in deiner Stadt ein, nachdem du nun schon einiges an Erfahrungen hierzu sammeln konntest?  

Sehr schlecht. Da Weil am Rein nahe der Schweiz liegt, sind die Preise für die Wohnungen nicht an deutsche Gehälter, sondern an die der Schweizer angepasst. Teils kaufen auch viele Schweizer die Neubauten, weshalb man sich mit einem deutschen Gehalt ein Eigenheim finanziell kaum mehr leisten kann. Mietobjekte sind an sich genügend vorhanden, diese werden allerdings ebenfalls überteuert vermietet. Zu 80 Prozent werden diese auch möbliert angeboten, was offensichtlich an der hohen Zahl an Pendlern liegt, die hier leben. Das treibt die monatlichen Mieten natürlich nochmals in die Höhe. Hier zeigt sich auch, dass die meisten Vermieter nur auf einen möglichst hohen Profit aus sind, anstatt auf langfristige und verlässliche Mieter aus Deutschland, die eher eine Wohnung bräuchten. 

Welche Rolle spielte das Internet, als du eine Wohnung gesucht hast? 

Eine große! Es ist viel praktischer, sich online eine Wohnung zu suchen. Man kann schon im Vorhinein angeben, was genau man selbst sucht. Leider geben aber die meisten Vermieter nicht alles an, was man gerne über die Wohnung wissen würde. Das erschwert die Suche und sorgt für so manche unerfreuliche Überraschung. 

Wie siehst ddie Chancen von Rentnern am Wohnungsmarkt? 

Ich bin der Meinung, dass sich die meisten alleinlebenden Rentner gar keine andere Wohnung leisten können als die, in der sie gerade leben. Selbst wenn sie lieber aus ihrer Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnung in eine kleinere Wohnung umziehen würden, könnten sie sich das gar nicht leisten oder es wäre ein schlechter Deal, da ihr jetziger Mietvertrag Ihnen bessere Konditionen bietet. Die oft zu geringen Renten und kaum vorhandene staatliche Unterstützungen tragen zum heutigen Wohnungsmangel bei. Dadurch werden viele größere Wohnungen erst gar nicht für Familien frei, die sie eigentlich dringend benötigen würden. 

Was schätzt du persönlich an einem Vermieter? 

Erreichbarkeit, schnelle Problemlösung und persönlichen Kontakt. Es gibt nichts Schlimmeres, als Mieter bei einer Firma mit unzähligen Wohnungen zu sein, wo ich erstmal eine halbe Stunde in der Warteschleife verbringe, bevor sich ein Mitarbeiter um mein Anliegen kümmert.  

Was denkst du könnte die Suche nach einer Wohnung angenehmer gestalten? 

Wenn der Vermieter viele Fotos von der Wohnung mit in die Anzeige packt. Auch ein Grundriss wäre oftmals nicht schlecht. Dann kann man sich schon vorher ein Bild von der Wohnung machen und spart dadurch viel Zeit. 

Wie viel Zeit hast Du damals in der Woche in die Wohnungssuche investiert? 

Wenn in der Woche ein oder zwei Besichtigungen anstanden dann schätze ich mal um die 5 Stunden pro Woche. Mit E-Mails, Telefonverkehr und Online- oder Zeitungssuche. 

Gloria, nochmals vielen Dank für das ausführliche Interview! 

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