Anfänge und Vision von RESELY sowie aktuelle Wohnungsmarkt-Situation

Nachdem im ersten Teil des Gründer-Interviews die Persönlichkeiten der beiden Gründer und das eigentliche Konzept im Vordergrund standen, geht es im zweiten Teil um die Anfänge der Idee, den Zustand des Wohnungsmarkts und die Vision von RESELY.

 

Jürgen, was hat das RESELY-Konzept für dich inspiriert?

[Jürgen]

Bei mir war es eher die Problematik aus Sicht eines Mieters: Meine Freundin hat in Stuttgart ihren Master angefangen und daher eine Wohnung gesucht. Natürlich hat sie sich zuerst im Internet auf diversen Plattformen über die entsprechenden Angebote informiert. Es gab zwar ein paar einzelne Wohnungen, aber allein die Suche nach einem angemessenen Objekt war anstrengend, nervenaufreibend und extrem zeitaufwendig. Ein paar haben wir uns dann zusammen angeschaut, allerdings war nie etwas Passendes dabei. Meine Freundin hatte dann eine tolle Idee: Sie hat eine Annonce in der lokalen Tageszeitung geschaltet, in der Sie ihre Wohnungssuche beworben und ihre Person mit den üblichen Angaben beschrieben hat. Auf einmal haben sich fast 10 Vermieter gemeldet, die sie gerne als Mieterin haben wollten. Danach haben wir uns eine der angebotenen Wohnungen angeschaut. Mit dieser war sie sehr zufrieden und hat sie dann auch gemietet. Nachdem wir die Wohnung bezogen hatten, habe ich mich mit dem Vermieter unterhalten. Ich fragte ihn, warum er nicht den üblichen Weg gegangen ist: Seine Wohnung ins Netz zu stellen und auf Anfragen von Mietern zu warten. Das hatte ganz pragmatische Gründe: Er wollte seine Wohnung nicht mehr aktiv ins Internet oder die Zeitung stellen! Ansonsten wurde er geradezu mit Anfragen von Interessenten bombardiert. Erschöpft erzählte er, wie er von morgens um sieben bis teils nachts um drei Anrufe und E-Mails bekam. Ein anderer Grund waren die Massenbesichtigungen. Sich ein Wohnung mit 100 bis 200 Leuten anzusehen und immer dieselben Fragen zu stellen und gestellt zu bekommen war einfach zu anstrengend. Das könne und wolle er so nicht mehr leisten. Deswegen beantwortet er nur noch Anfragen, in der ein Mieter aktiv eine Wohnung sucht. Lieber hat er seine Wohnung dann eine Weile leer stehend, als sich diesen Stress und Aufwand zu machen.

 

Dennis, was ist mit dir? Welche Perspektive bringst du ein?

[Dennis]

Als Inhaber eines Betriebs habe ich mich bereits mit Kollegen unterhalten, die ihren eigentlichen vermieten wollten. Hierbei entstehen natürlich einige Probleme, gerade bei betrieblich noch genutzten Räumlichkeiten. Ein Beispiel hat mich hier besonders zum Nachdenken gebracht. Ein Branchen-Kollege wollte sein Autohaus schon längere Zeit vermieten, konnte aber einfach keinen passenden Mieter finden. Auch wollte er sein Vorhaben nicht publik machen, aufgrund seines Kundenstammes und seiner Mitarbeiter. Einen Vertrag mit einem Makler wollte er eigentlich auch nicht schließen. Am Ende blieb ihm aber nichts anderes übrig, als im Stillen einen Makler zu engagieren und anonym einen passenden Mieter zu finden. Zum anderen weiß ich aus eigener Erfahrung und höre es ich immer wieder, wie unsagbar mühselig es ist, einen passenden Mieter für die eigene Immobilie zu finden, wie Jürgen auch schon angemerkt hat. Paart man dies dann mit den Horrorgeschichten um schlechte oder gleich zerstörerische Mieter, die am Ende kaum oder gar keine Miete zahlen und mehr Kosten verursachen als Einkommen generieren, dann wird RESELY auch aus der Perspektive eines Vermieters zu einem attraktiven Konzept.

 

Was sind eure Erfahrungen bei der Wohnungssuche?

[Dennis]

Hier muss man meinen besonderen Hintergrund als Deutscher an der Grenze zur Schweiz beachten. Ich wohne in Weil am Rhein, und, obwohl das hier doch eher eine ländlich Region ist, herrscht hier ein absoluter Mangel an Wohnungen und ein Überschuss an interessierten Mietern. Zusätzlich kommt hier noch dazu, dass die Nähe zur Schweiz die Preise für die Deutschen fast unbezahlbar macht. So ist, obwohl Weil am Rhein wirklich ländlich ist, der Wohnungsnotstand hier enorm. So kann ich mir nur vorstellen, wie desolat die Zustände in den Großstädten sein müssen.

[Jürgen]

Meine schlechten Erfahrungen bei der Wohnungssuche habe ich ja bereits geschildert. So oder ähnlich bekomme ich es auch in meinem Freundeskreis mit. Ein Beispiel: Eine Freundin von mir sucht aktuell eine Wohnung in Augsburg. Sie sagt, dass sie Unmengen an Zeit in die reine Suche investiert. Wochenenden gibt es für sie im Moment nicht, da die Vermieter sich oftmals nur dann Zeit für Besichtigungen nehmen. Gerade, wenn es Privatleute sind, die auch noch einen Job haben, ist das ja auch mehr als verständlich. So füllen beide Parteien ihre freie Zeit, die eigentlich für die Erholung vom stressigen Beruf gedacht ist, mit noch stressigeren Massenbesichtigungen. Auch kommt so bei der Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter das Menschliche viel zu kurz. Wer hat denn noch Zeit sich über etwas privatere Dinge auszutauschen und vielleicht einen sympathischen Mieter oder Vermieter zu finden, wenn für den einen die nächste Wohnung und für den anderen der nächste Interessent wartet?

 

Wie reagiert eure neue Plattform auf die gängigen Probleme von Mietern und Vermietern? Wollt ihr auf irgendwen besonders eingehen?

[Dennis]

Vorab starten wir natürlich diesen Blog, in dem wir die Themen Mieten und Vermieten dokumentieren und diskutieren wollen. So sollen sich die Probleme der einzelnen Mieter und Vermieter herauskristallisieren und uns ermöglichen, auf die Wünsche der beiden Parteien einzugehen. Wir sind hiermit nicht unbedingt auf großen Profit aus. Wir wollen mit dieser Plattform etwas Positives erreichen, den Markt verändern und grundsätzlich etwas Gutes für den Einzelnen tun. Wer uns besonders am Herzen liegt, sind körperlich beeinträchtige Menschen, die es ohnehin nicht leicht haben. Gerade ihnen wollen wir den oft auch körperlich anstrengenden und kräftezehrenden Kampf um die Wohnung etwas erleichtern. Ihnen damit auch etwas an Sichtbarkeit zu gewähren und auf sie aufmerksam zu machen, ist uns ein sehr großes Anliegen.

[Jürgen]

Dieser Fokus kommt bei mir auch aus persönlichen Erfahrungen, die mir Menschen mit Behinderung aus meinem Umfeld geschildert haben. Hier verschärft sich die ganze Situation auf dem Wohnungsmarkt enorm. Wenn jemand eine Wohnung sucht, die für seine persönlichen Bedürfnisse ausgelegt ist, wird das Angebot natürlich noch geringer, als es ohnehin schon ist. Auch muss man auf so vieles achten, viele Leute anschreiben und stets nachfragen. Das ist ein Vielfaches des Aufwands, den man auch ohne Behinderung schon betreiben muss. Viele Vermieter wissen auch gar nicht, dass sie eine Wohnung haben, die für Menschen mit Behinderung besonders zugänglich ist oder vergessen, dies in ihrer Annonce zu erwähnen. Auch haben viele eventuell ein etwas älteres Haus, das für die verstorbenen Großeltern oder Eltern noch umgebaut wurde und fragen sich, was sie damit jetzt anstellen. Mit unserer Plattform lässt sich dann ganz gezielt nachschauen. Vielleicht sucht gerade ein Mensch mit Behinderung eine solche Wohnung in der Umgebung? Und da sagen wir, ganz klar, mit RESELY bringen wir die richtigen Leute zusammen!

 

Was hofft ihr mit RESELY zu erreichen?

[Dennis]

Wir wollen den Immobilienmarkt revolutionieren, die Makler weitestgehend überflüssig machen und eine kostengünstige Alternative für das digitale Zeitalter bieten. Die Wohnungssuche soll einfach, schnell und transparent werden. Im Grunde wollen wir mit unserer Plattform etwas Gutes tun, sei es für Vermieter oder Mieter, ob mit oder ohne Behinderung. Ich denke, wir sind auf einem ganz guten Weg und freue mich bereits darauf, wenn RESELY endlich online geht und wir die Plattform in Aktion sehen können.

[Jürgen]

Früher konnte man sich auch nicht vorstellen, von Privatverkäufern ein Auto über das Internet zu kaufen. Heute ist das ganz normal und nicht viel komplizierter als der Einkauf im nächsten Supermarkt. So soll es mit RESELY auch im Immobilienbereich sein: Wer eine Wohnung sucht, der meldet sich auf RESELY an, wer etwas vermieten will, der sucht über RESELY nach Interessenten. Wir wollen dem Wohnungsmarkt Transparenz garantieren und gleichzeitig ein stressfreies Zusammenkommen von Mieter und Vermieter ermöglichen. Man muss sich nur ansehen, wie viel Geld Mieter und besonders Vermieter in einen Makler investieren. Und da sagen wir, ganz klipp und klar, das muss nicht sein. Wir wollen hier nicht unbedingt Profit machen, sondern das, was im Kfz-Bereich schon längst Normalzustand ist, nämlich Transparenz und Komfort für jede Art von Interaktion, auch für den Bereich der Immobilien umsetzen.

Was sind Eure Erfahrungen in der Wohnungssuche? Und was haltet ihr von RESELY Konzept? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentaren und werdet Teil der RESELY-Community!

 

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