Franz Stocker ist Geschäftsführer der Lichtblau GmbH, einer im bayerischen Burgau ansässigen Firma für den An- und Verkauf sowie Neubau von Immobilien. Mit Resely spricht er heute über den momentanen Zustand des Wohnungsmarkts und Probleme sowie Lösungsansätze in der Immobilienbranche.

Herr Stocker, was ist Ihre Meinung zum momentanen Wohnungsmarkt? 

Hier würde ich gern aus verschiedenen Blickwinkeln, nämlich Mieter, Vermieter, Käufer und Verkäufer, an die Sache herangehen.

Aus der Sicht eines Mieters sind die Wohnungsmärkte sehr angespannt. Es gibt kaum Mietwohnungen, die neu auf den Markt kommen. Mieter, die schon länger in einer Wohnung leben, geben ihre Wohnung nicht auf. Dies liegt an den Altmieten. Bei einer neu vermieteten Wohnung liegen die Mietkosten deutlich höher, daher rentiert sich ein Umzug meist nicht. 

Für Vermieter bedeutet dieses Überangebot an Interessenten, dass sie sich ihre Mieter nun aussuchen können. Eine Selektion der Mieter ist durch Einkommensnachweise und Vermögensaufstellungen relativ einfach.

Aus der Sicht des Käufers sind die Wohnungspreise in den Ballungsräumen explodiert. Zudem gibt es kaum ein Angebot. Die Renditen bei Immobilien liegen hier zwischen ein und drei Prozent. Allerdings kann sich der Kauf aufgrund der niedrigen Zinsen immer noch rechnen. 

Aber auch auf den Verkäufer kommen Mehrkosten zu. Die Grundstückspreise haben sich in den Ballungsräumen extrem erhöht und auch die Baukosten selbst sind durch die jetzigen energetischen Standards gestiegen. Zudem fordern die Kommunen einen immer höheren Anteil an sozialen Wohnungen bei jedem Bauvorhaben. Wohnungen in der Innenstadt von Augsburg liegen hier bei einem Quadratmeterpreis von 6000 bis 7000 Euro. Im Umkreis von Augsburg können noch Wohnungen um 3000 bis 4000 Euro erworben werden. 

Was ist momentan das größte Problem am Wohnungsmarkt? 

Die Kommunen in Ballungsräumen verkaufen aktuell keine Grundstücke. Somit ist hier kein Markt vorhanden. Auch Grundstückseigentümer verkaufen nicht, aufgrund der niedrigen Zinsen. Die Planungszeit für ein Bauvorhaben hat sich durch die für ein Projekt nun benötigte Vorlaufzeit auf bis zu 4 Jahre erhöht. Zeitliches Einsparpotential sehe ich hier nur im modularen Wohnungsbau. Hier werden vorgefertigte Module verbaut, womit bei der Bauzeit deutlich eingespart werden kann. Längerfristige Lösungen sehe ich im Vereinfachen der Prozesse und einer Erweiterung des Markts. Das heißt, erstens, dass der Staat die Anforderungen und die Bürokratie für den Wohnungsbau deutlich verringern und, zweitens, neue Baugebiete kurzfristig erschließen sollte, um den Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Ausführungen!

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